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100 Tage und ein paar Zerquetschte. Die liegen jetzt also hinter der schwarz-gelben Koalition. Ein klassischer Zeitpunkt, Bilanz zu ziehen. Allerorten wird derzeit das Notenbüchlein gezückt, um dem Regierungskonzept von Merkel, Westerwelle und Konsorten sein erstes Zeugnis auszustellen. Dabei fällt das Urteil der Opposition einhellig aus: «Mangelhaft!«, donnerte jüngst die Grünen-Fraktionschefin Renate Künast. Und der Bürger? «Welche Zensur geben Sie dem schwarz-gelben Lenkungsgeschick?«, wollten wir wissen und fragten den Souverän. Direkt auf der Straße.
Hans-Joachim Beyer, 83, Rentner aus Eckersmühlen: «Ich habe bis jetzt nichts anderes von Schwarz-Gelb gehört als «zuzahlen, zuzahlen, zuzahlen...« - Stichwort Krankenversicherung. Aber eigentlich hat man auch nicht mehr erwarten können. War doch klar: Wenn die FDP ans Ruder kommt, dann wird sich erst einmal um die ,Oberen Zehntausend’ gekümmert. Lösungsansätze für die Situation der kleinen Leute gibt’s kaum. Na ja, jetzt warten wir mal ab, wie im Mai die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen ausgeht. Das wird richtungsweisend sein.«
Ingrid Müller, 48, Angestellte aus Roth: «Ich gebe der schwarz-gelben Regierung die Note Mangelhaft! Ist doch katastrophal, was sich da tut. Es macht mich sauer, dass zum Beispiel der Atomausstieg nicht vorangeht. Frau Merkel nervt, weil sie keine Position bezieht. Einzig bei der Steuersünder-CD sagt sie ,Ja’. Und das finde ich auch richtig. In puncto Mehrwertsteuersenkung für die Hotellerie wurmt mich: Jetzt, wo in NRW die Landtagswahl vor der Tür steht, will man dort plötzlich wieder zurückrudern. Das ist alles derart verlogen! Und die Opposition bringt auch keine konkreten Vorschläge. Ich bin sehr, sehr unzufrieden mit der aktuellen Politik. Aber so ist die gängige Meinung, schätze ich.«
Yvonne Thies, 31, Verkäuferin aus Roth: «Welche Note hat die schwarz-gelbe Regierung verdient? – Hm, vielleicht eine Drei. Mir geht’s jedenfalls gut. Muss denn immer so viel gejammert werden?
Eigentlich ist’s doch egal, wer die Macht hat. Denn der Karren wurde schon vor vielen Jahren in den Dreck gefahren. Und die, die momentan am Steuer sitzen, sollen’s von heute auf morgen richten? Ist jedes Mal das Gleiche. Ich würde sagen: Abwarten, und die Politiker machen lassen. Weil ich einfach davon ausgehe, dass sie ihr Bestes tun.«
Martina Osterhager, 54, Bürokauffrau aus Mischelbach bei Pleinfeld: «Ich geb ’ne glatte Fünf! Diese Regierung ist sowieso nicht das, was ich als Wählerin haben wollte. Also erwarte ich mir auch kaum etwas von ihr. Fakt ist: Benachteiligt werden jetzt die ärmeren Schichten. Auch der Mittelstand. Unser Leben spielt sich in einer Drei-Klassen-Gesellschaft ab. Daran kann man zwar im Moment nix ändern – eine Verarschung ist das trotzdem!«
Sandra Martini, 32, Diplombiologin aus Nürnberg: «Ich kann im täglichen Leben noch keinen gravierenden Unterschied zur vorherigen Regierung feststellen. Außer, dass es seit Januar ein bisschen mehr Kindergeld gibt. Aber liegt das ausschließlich an der neuen Regierung? Ich würde es begrüßen, wenn sich die Verantwortlichen stärker für die Rechte der Frauen einsetzen würden – vor allem im Hinblick auf den Berufswiedereinstieg nach der Elternzeit und Teilzeitjobs. Was diese Steuersünderdatei angeht – da finde ich, dass die betreffenden Personen ruhig bestraft werden sollen. Ist doch eh’ schon so: Die Ärmeren werden immer ärmer, die Reichen immer reicher. Da muss mal ein Riegel vorgeschoben werden.«
Karlheinz Schultze, 64, Rentner aus Hilpoltstein: «Mehr Netto vom Brutto? Eine Utopie! Auch die Nullrunden für Rentner find’ ich hässlich.
Kritisch stehe ich außerdem der Gesundheitsreform gegenüber: Dass die Kassen Zusatzbeiträge erheben, ist nicht schön. Alles wird teurer, und selbst hat man immer weniger. Die FDP verficht nur ihre Interessen, aber irgendwie passen die nicht ins Schema. Ich wünsche mir einfach mehr Gerechtigkeit, und dass mit dem Geld der Steuerzahler verantwortungsvoll umgegangen wird. Da müsste Frau Merkel mehr Führungsstil zeigen. Ob’s die Opposition wohl besser könnte? – Großes, großes Fragezeichen!«
Werner Ahlers, 71, Rentner aus Allersberg: «Hier wird doch nur am System herumkuriert. Aber wir bräuchten etwas ganz anderes. Wir befinden uns nämlich in einer geistig-seelischen Krise. Deshalb wäre die richtige Herangehensweise: Mehr Miteinander statt Gegeneinander – und das gilt für alle Bereiche.
Ich glaube, das Wählervolk ist da reifer als die Politik. Und damit meine ich alle Fraktionen. Politiker sollten wissen, was den Menschen gut tut. Sie sollten sich auf das konzentrieren, was funktioniert – und das Funktionierende stärken.«
Petra Bittner |