Hilfe für Blinde: Auf vielen unserer Seiten können Sie durch den Sprung zum ersten Anker die gesamte Navigation überspringen und so direkt zum Inhalt gelangen.
Logo - Zur Homepage der Hilpoltsteiner Zeitung Scheu und schonungslos: Autor J.M. Coetzee wird 70 nordbayern.de - Informationen und Nachrichten
Fr  
10 | 23
Sa  
13 | 28
So  
15 | 30
E-Paper die elektronische ZeitungRund ums Zeitungs-AboAnzeigen lesenAnzeigen aufgebenZur Anzeigen-Preisliste
05.02.2010 15:59:00
SUCHEN  HILFE  ?
AUS IHRER ZEITUNG
AKTUELL
SPORT
ANZEIGEN
FREIZEIT
SERVICE
SPECIAL
DER VERLAG
KULTUR + FREIZEIT ÜBERSICHT  ZURÜCK

Scheu und schonungslos: Autor J.M. Coetzee wird 70

Der Literaturnobelpreisträger arbeitete die Geschichte Südafrikas auf
 Scheu und schonungslos: Autor J.M. Coetzee wird 70
Bitte Bild anklicken!
KAPSTADT - Für Deutschlands neuen Starautor Daniel Kehlmann ist er «größte lebende Schriftsteller englischer Sprache», der «vielleicht bedeutendste experimentelle Romancier unserer Tage». Südafrikas Literaturnobelpreisträger J.M. Coetzee, der am Dienstag 70 Jahre alt wird, ist allerdings kein Autor, der sich öffentlich feiern lässt.

Er scheut seit Jahrzehnten Öffentlichkeit und Interviews, schafft es aber bis heute, mit eigenwillig-düsterer Weltsicht und kühnen literarischen Experimenten zu beeindrucken, zu verwirren, auch zu provozieren. Pünktlich zum 70. Geburtstag erscheint in Deutschland sein dritter autobiografisch geprägter Roman, wobei Coetzee im «Sommer des Lebens» nach seinem fiktiven Tod die Jahre 1971 bis 1977 in Kapstadt aus der Sicht eines gleichfalls erfundenen Biografen schildert. Der Literat sieht sich selbst kaum anders als viele andere Protagonisten seiner Werke: gebrochen, schwächlich, ratlos, versagend. Coetzee wird oft mit Kafka verglichen, auch der Südafrikaner arbeitet sich immer wieder an den Thema Macht, Leid, Schuld und Schicksal ab.

Vieles bleibt für den Leser schwierig

Der Schriftsteller aus Afrika macht es seinen Lesern nicht immer leicht: Mal zwingen literarische Experimente zur verwirrenden Lektüre paralleler Erzählweisen, mal werden einfache Erklärmuster bewusst ausgeschlossen, vieles bleibt schwer nachvollziehbar, verschiedene Perspektiven werden eröffnet. Der Schriftsteller sei «vor allem an Situationen interessiert, wo die Unterscheidung von richtig und falsch sich als unbrauchbar erweist», hatte das Nobel-Komitee 2003 formuliert. Coetzee stelle «in zahlreichen Verkleidungen die überrumpelnde Teilhabe des Außenseitertums dar».

Coetzee hat sich mit seiner von tiefer Skepsis, ja zuweilen fast Verachtung geprägten Sicht der Welt, seinen gesellschaftskritischen Essays und Romanen Ruhm erschrieben, in seiner Heimat aber manche Feinde gemacht. Südafrika hat er 2002 verlassen, lebt nun im australischen Adelaide. Auch über den Grund seiner Emigration gibt es nur Mutmaßungen. Aber in seinen Romanen, die in Südafrika spielen, ist wenig Optimismus zu spüren, auch das Ende der Apartheid mündete nach Coetzees Geschmack nicht in eine wirkliche humane, gerechte und versöhnte Gesellschaft.

Preise interessieren ihn nicht zu sehr

Seine Gewaltfantasien haben oft unverkennbar die bittere Geschichte Südafrikas zum Hintergrund.
Sein literarischer Durchbruch gelang Coetzee international mit dem Roman «Schande», in dem es um einen südafrikanischen Literaturprofessor und seine Tochter, die vergewaltigt wurde, geht.

Im Zentrum steht aber das von der rassistischen Apartheid zerrissene Südafrika, die Schuldgefühle und Ängste der Weißen, die Bitterkeit und die Vergeltungssehnsüchte der Schwarzen. «Schande» wurde wie andere seiner Romane auch inzwischen verfilmt. Coetzee sammelte reihenweise renommierte Literaturpreise ein – zu deren Verleihung er meist nicht erschien.

Man kennt noch nicht einmal seine Vornamen

Zunächst hatte der 1940 als Sohn eines Anwaltes und einer Lehrerin geborene Coetzee in seiner Geburtsstadt Kapstadt Englisch und Mathematik studiert, zeitweise auch als Programmierer gearbeitet.

Nach seiner Promotion über den irischen Schriftsteller Samuel Beckett lehrte er dann an den Universitäten Kapstadt, Harvard (Boston) und Johns Hopkins (Baltimore). Studenten berichteten, dass Coetzee in seinen Seminaren keineswegs der eigenbrödlerische und scheue Schriftsteller sei, als der er oft beschrieben wird. Das er aber durchaus etwas rätselhaft bleiben möchte, ist schon auf jedem Buchdeckel ablesbar. Dort steht auf seinen Wunsch nur «J.M. Coetzee». Seine Vornamen sollen John und Maxwell (eventuell auch Michael) heißen, gesichert aber ist es nicht – und selbst erklärt hat er seinen Unwillen, seinen ganzen Namen zu nennen, auch nie.

Laszlo Trankovits, dpa
5.2.2010 15:59 MEZ
Mehr zu diesem Thema
»  
Mehr vom aktuellen Tagesgeschehen lesen Sie in Ihrer Zeitung. Jetzt abonnieren Link auf ein externes Angebot
 
  © NÜRNBERGER NACHRICHTEN Diesen Artikel weiterempfehlen E-Mail zu diesem Artikel an die Redaktion schreiben Zur Druckversion dieses Artikels
 Artikel empfehlenE-Mail an die
Redaktion
Zur
Druckversion
ANZEIGE
  
 35. BARDENTREFFEN
Bardentreffen Nürnberg
30. Juli - 1. August
Alle Infos hier
  
Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten
  
ANZEIGE
  
 Bild des Tages
Das Bild des TagesFür eine größere Ansicht: Klick aufs Bild!
  
 Bildstrecken
Franken im Bild Eindrücke aus den
Städten der Region
Zu den Bildstrecken
  
ANZEIGE
  
Alles was wichtig ist rund um die Szene in Nürnberg und noch viel mehr gibt es jetzt im nigelnagelneuen
Szene Extra!
Einfach mal reinklicken
  
 Aktuelle Videos
video.nordbayern.de
  
 RATGEBER
  
NN-Filmkritik
Alle Filmkritiken aus den Nürnberger Nachrichten finden Sie hier.
  
 Meine kleine Welt
Meine kleine Welt Die Kolumnen von Ewald Arenz finden Sie hier.
  
 NN-Gezwitscher