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«Nanga Parbat»

Joseph Vilsmaiers «Nanga Parbat» über die Expedition der Messner-Brüder
 «Nanga Parbat»
Foto: Senator
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NÜRNBERG - Das Drama am Nanga Parbat, das einer der Messner-Brüder mit dem Leben bezahlte, wird bei Joseph Vilsmaier zu jenem naiven und spannungsarmen Langweiler, den man von ihm erwarten konnte.

Seit Jahren schwelt der medienträchtige Streit zwischen Reinhold Messner, der bei der Besteigung des Nanga Parbat seinen Bruder Günther verlor, und anderen Expeditionsteilnehmern. Trägt Messner, der Superstar unter den Alpinisten, eine Mitschuld am Tod des Bruders? Hat er den völlig Erschöpften gar seines eigenen Ruhms wegen zurückgelassen?

Sympathien sind klar verteilt

Das ist die Story, aus der die Boulevardpresse je nach Bedarf ihre Helden- bzw. Verräterversion strickt. Sie kam auch einem gerade recht, der a) stets auf der Suche nach dramatischen Stoffen von «Stalingrad» bis zur «Gustloff» ist und b) dann mit ihnen nichts Gescheites anzufangen weiß. Joseph Vilsmaier, ein begabter Kameramann und leider inszenatorischen Aufgaben nur selten gewachsener Regisseur, griff beherzt zu - und engagierte Reinhold Messner als Berater.

Damit war klar, wie die Sympathien in «Nanga Parbat» verteilt sind. Aber auch das wäre egal gewesen, wenn Vilsmaier sein Regie-Handwerk verstünde und einen packenden Bergfilm abgeliefert hätte, sagen wir, im Stil von Luis Trenkers «Der Berg ruft!» oder «Sturz ins Leere» von Kevin Macdonald. Tödliche Gefahr in erhabener Bergkulisse, der Mensch im Kampf mit der Natur, die oft beschworenen archaischen Grenzerfahrungen - nur wenig davon ist zu entdecken, wenn wir Reinhold (Florian Stetter) und Günther (Andreas Tobias) der Katastrophe entgegenstapfen sehen.

Moralische Aspekte und Sinnfrage interessieren nicht

1970 plante Dr. Herrligkoffer (Karl Markovics muss ihn als eitlen Fatzke spielen) den Aufstieg durch die noch nie durchstiegene Rupal-Steilwand. Der «Schicksalsberg der Deutschen», so der mit Adolf-Allüren dargestellte Herrligkoffer, muss bezwungen werden. Der Reinhold, man weiß es, hat es dann gerichtet; Bruder Günther, der ihm im Alleingang hinterhergeklettert ist, bezahlte mit dem Leben.

Brav strickt Vilsmaier die Messner-Legende weiter, moralische Aspekte oder Sinnfragen interessieren nicht. Das Geschehen scheint schicksalhaft vorgegeben, wie Rückblicke in die Kindheit der Helden behaupten. Schon als kleiner Junge wollte der jüngere Günther dem Reinhold ebenbürtig sein. Diese Szenen im Südtiroler Bergdorf, in dem eine Art Karma-Analogie zum Aufenthalt in der Todeszone hergestellt werden soll, sind absolute Tiefpunkte in einem Film, in dem Vilsmaier nicht nur mit dem Zaunpfahl, sondern mit dem ganzen Gartenzaun winkt.

«Am Ende zählt nur der Sieg»

So erschöpft, wie sich die Protagonisten nach dem Gipfelsieg durchs Eis schleppen, erzählt die Regie von einem Drama, dessen Darstellung in seiner Naivität und Spannungsarmut kaum unterbietbar scheint. «Am Ende zählt nur der Sieg», sagt der selbstherrliche Herrligkoffer. Wenn’s stimmt, könnte einem ein Vergleich von Bergsteigern mit Filmregisseuren einfallen. (D/104 Min.; Cinecittà, Admiral, Nürnberg; CineStar, Erlangen)

Michael Meier
14.1.2010
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