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Kunst, bei der man genau hinschauen muss |
| Wahnsinn, Wahrnehmung und Wirklichkeit: Neue Ausstellungen in Nürnberg |
| Kunst, bei der man genau hinschauen muss |
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NÜRNBERG - Kunst hat viele Gesichter. Mit einem kleinen Streifzug durch die Nürnberger Kunstszene und ihre Galerien wollen wir drei aktuell sehenswerte Ausstellungen vorstellen.
Vom Reiz des Dunklen erzählen derzeit Bilder und Objekte in der Oechsner Galerie. Fünf zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler eint ihre Vorliebe für das Schwarze, eine Faszination, über die Rafael Alberti schon vor Jahrzehnten schwärmte: «Schwarz ist wie der Mund der Nacht, eine Blüte der Freude.»
>Oechsner-Galerie lockt mit düsterer Romantik
Düstere Romantik verbreiten die collageartigen Großstadtbilder von Patrick Cierpka, sehr erzählerische Malerei mit den zentralen Themen «Erotik» und «Verfall». Ähnliches beschäftigt den Nürnberger Markus Putze, der mit Bleistift und schwarzer Tusche überwiegend die Porträts von seltsam verstört wirkenden jungen Frauen anfertigt.
Einen Zug ins Süßliche und Schwüle bekommt die Schwärze bei Matthias Lahme. Deprimierend sind die Schrifttafeln, auf denen er widersinnige Zeugnisse moderner Umgangssprache reproduziert. Am ästhetisch ergiebigsten sind die Beiträge von Franziska Fürtner und Susanne Roth. Die Tuschezeichnungen von Fürtner zeigen die düstere Pracht von Explosionen und Feuersbrünsten. Die Melancholie existenzialistischer Theaterstücke und alter Schwarz-WeißFilme inspiriert Susanne Roth: Sie hat Szenenbilder von Zeitungsrezensionen ausgeschnitten und sparsam überarbeitet.
Oechsner Galerie, Gustav-Adolf Straße 33: «After Dark, my Sweet»; bis 13. Juni, Mi.-Fr. 14-20 Uhr, Sa. 14-18 Uhr. Stefan Winkler im Galeriehaus Nord
Zwar farbenfroh, aber nicht weniger irritierend sind die Bilder von Stefan Winkler im Galeriehaus Nord. In der Ausstellung «ANDERE» hat der Künstler aus der Röhn das Assoziative in den Mittelpunkt seiner Arbeit gestellt. Vorgefertigte Geschichten liefert Winkler dem Betrachter aber nicht: Die Portraits und Szenen spielen mit Wahrnehmungsfetzen von Charakterzügen. So entwickeln sich nicht greifbare Gesichter, sondern nur ihnen zugehörige Geschichten, und die gilt es zu enträtseln. Seine «Musikalische Fränkin» etwa ist ein langhaariger Kontrabass.
Mit kindlicher Anmut entfaltet Winkler alptraumhafte Szenerien, die sich erst auf den zweiten Blick als ganz und gar nicht naiv entpuppen. «Teddy’s Nightmare» oder «Er will nur spielen» taugen durchaus dazu, das Spielzeugland zu entzaubern. Die Spannung der knallbunten Bilder entwickelt sich stets zwischen schönem Schein und trügerischem Sein.
Galeriehaus Nord, Wurzelbauerstraße 29: Stephan Winkler; bis 12. Juli, Di.-Mi. 11-16 Uhr, Do.-Fr. 11-13 Uhr und So. 11-16 Uhr.
Peter Schmidt in der Galerie "ARTelier"
Der Alltag und dessen scheinbare Normalität faszinieren den Künstler Peter Schmidt. Mit komplexen Miniatur-Installationen, die er durch großformatige Fotografien ergänzt, schärft er den sozialkritischen Blick der Betrachter. Zwei Werke des in Aalen geborenen Künstlers, «Sportplatz» und «Rettung naht», sind bis zum 21. Juni in der Galerie «ARTelier» zu sehen.
Im filigranen Modellaufbau seiner Darstellung lenkt Schmidt die Aufmerksamkeit des Schauenden zielgenau. So führt etwa seine Installation «Sportplatz», ein dreistöckiges Spielfeld im Maßstab 1:87, schrittweise zu der Erkenntnis, dass der schöne Schein trügt. Aus dem Idyll des abendlichen Fußballspiels entwickelt sich die kalte Realität eines Überwachungsstaates: Ein Wachturm aus DDR-Zeiten dient auch dem Besucher selbst zur Beobachtung. Er führt den Blick in die unteren Stockwerke, wo Polizei und gepanzerte Fahrzeuge auf ihren Einsatz warten. ARTelier, Knauerstraße 3: Peter Schmidt. Do.-Fr 19-23 Uhr, So. 16-19 Uhr.
Bernd Zachow / Anna Schneider |
| 24.5.2009 1:35 MEZ |
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