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Glamour, Heiterkeit und ernste Töne in Cannes

Eröffnungsfilm «Up« in 3D entzückte das Publikum des Filmfestivals
 Glamour, Heiterkeit und ernste Töne in Cannes
Banks
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CANNES - Zwischen bunten Ballons und sozialer Ausweglosigkeit: In Cannes starteten die 62. Filmfestspiele. Natürlich kann man sich auch in Cannes, wo die Filmbranche zurzeit ihr größtes und glamourösestes Fest feiert, dem Thema «Krise« nicht völlig entziehen. Die Zahl der angereisten Teilnehmer ist niedriger als in den Jahren zuvor (was sowohl Journalisten als auch Finanziers und Filmhändler angeht), mancher Empfang fällt sichtlich kleiner aus und im Yachthafen unweit des Palais de Festival hängt an einer ganzen Reihe von Booten ein Schild: Zu verkaufen!

Der allgemeinen guten Laune tat all das in den ersten Festivaltagen unter der Mittelmeersonne keinen Abbruch, weder bei der Eröffnungsgala - zu der neben Isabelle Huppert und ihren Jury-Kollegen auch Oscar-Gewinnerin Tilda Swinton, Bollywood-Star Aishwarya Rai und der legendäre Charles Aznavour über den roten Teppich schritten - noch in den wie immer bis auf den letzten Platz gefüllten Kinosälen.

Wahres Meisterwerk

Mit dafür verantwortlich dürfte nicht zuletzt der außer Konkurrenz laufende Eröffnungsfilm «Up« gewesen sein. Der fantasievolle Animationsfilm aus dem Hause Pixar/Disney, in dem ein Rentner den letzten Wunsch seiner verstorbenen Frau erfüllen will und samt seines Hauses mit Hilfe Hunderter Luftballons nach Südamerika fliegt, entpuppte sich als wahres Meisterwerk. Nicht nur in technischer Hinsicht, obwohl die Bilder brillant animiert sind und die 3D-Technik so geschickt und subtil wie selten zuvor eingesetzt wird. Aber nicht um des Effektes willen, sondern im Dienst der Geschichte.

Die Story ist es auch, die begeisterte Zuschauer darüber diskutieren ließ, ob man womöglich gerade den besten Zeichentrickfilm aller Zeiten gesehen habe: über die Maßen anrührend, umwerfend komisch (nicht zuletzt dank eines kleinen blinden Passagiers, eines Schokolade liebenden Vogels und einer Heerschar sprechender Hunde) und mit vielen liebevollen Details ausgestattet.

Ernste Töne nach heiterem Auftakt

Nach dem optimistisch-heiteren Auftakt gab es aber auch ernstere Töne. Der chinesische Regisseur Lou Ye, der wegen seines regimekritischen Films «Summer Palace« seit 2006 offiziell mit einem Arbeitsverbot seitens der chinesischen Regierung belegt ist, zeigte «Spring Fever«, einen traurig bis trostlos gestimmten Film über die Liebe in verschiedenen Dreieckskonstellationen. Heimlich mit der Handkamera gefilmt und mit Geld aus Frankreich und Hongkong finanziert, dürfte auch dieses nicht explizit politische Drama in China auf wenig Gegenliebe bei der Filmbehörde stoßen, schon allein, weil der Regisseur recht deutlich homosexuelle Liebe und deren Tabuisierung ins Zentrum seines Films rückt.

Auch die britische Regisseurin Andrea Arnold machte mit ihrer Milieustudie «Fish Tank«, die den Wettbewerb eröffnet hatte, keine Anstalten, den Heiterkeitsfaktor des Festivals zu erhöhen. Sie erzählt die Geschichte einer 15-Jährigen, deren Alltag im heruntergekommenen Wohnsilo in Essex erschüttert wird, als ihre Mutter einen neuen Freund mit nach Hause bringt. Die Authentizität, mit der hier die Ausweglosigkeit einer Unterschichtfamilie dargestellt wird, ist so beeindruckend wie die junge Debütantin Katie Jarvis in der Hauptrolle - und weil Arnold die Finger lässt vom spröden Einheitsgrau vergleichbarer Werke, verzeiht man ihr auch den fast kitschigen Herzluftballon am Schluss.

Zumal sich so der Kreis schloss zum Eröffnungsfilm, zu dessen Galavorführung 15000 bunte Ballons an Schaulustige verteilt wurden und in den Himmel stiegen - möglichst weit weg von den Krisen auf und jenseits der Leinwand.

Patrick Heidmann
15.5.2009
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